Das Heilbad Mehrn
Ein geschichtlicher Rückblick – 134 Jahre Heilquelle in Mehrn
Text aus „Das Heilbad – Geschichte“. Zeitangaben und Aussagen entsprechen dem historischen Originaltext.
Schon seit Jahrhunderten wissen die Bewohner von Brixlegg, daß ihnen die Natur neben den Bodenschätzen auch eine wunderbare Heilquelle geschenkt hat. Erstmals wurde die Heilquelle 1267 urkundlich festgelegt. Nach Angaben des Nordtiroler Bäderführers Hugo Klein (Innsbruck 1926) entsprang die Quelle am nördlichen Abhang des Kirchenhügels und gehörte in den Jahren 1267 und 1377 dem hinter Kramsach gelegenen Kloster Mariathal. 1463 gehörte es zur Schmelzhütte Mehrn und „schon damals soll diese Quelle, die noch knapp hinter dem Hochaltar in dem Kirchlein selbst hervorsprudelte, als „Nothelferwasser“ starken Zuspruch gehabt haben… “. Stark frequentiert wurde das Heilwasser in der Bergbauzeit, Knappen und Schmelzer badeten fleißig. Sie errichteten über der als Heiligtum verehrten Quelle eine Kapelle, seit 1698 gibt es eine Kirche in Mehrn.
Im Jahre 1863 entschloß man sich, dieses heilkräftige Wasser bewußt als Gesundbrunnen für Seele und Körper einzusetzen – Heilbad Mehrn wurde gegründet. Vor 134 Jahren wurde die erste Badeanstalt offiziell ihrer Bestimmung übergeben, bereits drei Jahre später – es war das Jahr der ersten Passionsspiele 1868 – wurden 1178 Badegäste gezählt, 28 Badekabinen standen zur Verfügung.
Verwüstet, modernisiert
Dreimal erlebte das Heilbad Mehrn eine Hochwasserkatastrophe, öfters wurde der Besitzer gewechselt, eine Gaststätte wurde an- und umgebaut. In den beiden Weltkriegen wurde es als Lazarett bzw. Ausspeisungslokal und als Notunterkunft zur Verfügung gestellt.
Im Jahre der Markterhebung 1927 erlebte das Heilbad Mehrn eine Modernisierung und die Renovierung der Quellfassung. Seit 1973 führen Brigitte und Ignatius Fong den Bade- und Gaststättenbetrieb. Ein Gesamtumbau scheiterte an der Finanzierung. So wurde 1993 eine kleine attraktive Kuranstalt an das bestehende Gebäude von Dipl-Ing. Harald Scheidle geplant. Helle Bereiche bzw. Räume für den Badebetrieb, Massagen, Packungen, Unterwassermassage und physiotherapeutische Behandlungen wurden geschaffen.
In einer Gesellschaft schlossen sich Familie Fong, Frau Baumann, die Marktgemeinde, der Tourismusverband und die Raiffeisenbank zusammen.
Anläßlich des Jubiläums fanden sich viele Ehrengäste und Freunde an der Filialkirche Mehrn zum Dankgottesdienst, zelebriert von Dekan Martin Wimmer, ein. Klassische Zithermusik in der alten Kirche, in der viele Jahre hinter dem Altar gebadet worden war, und Harfenmusik im Heilbad Mehrn beim anschließenden Festakt begleiteten das Jubiläumsfest.
Die alte Heilquelle von Bad Mehrn bei Brixlegg gehörte ursprünglich zu einer Schmelzhütte und linderte dort die Leiden der Bergknappen. Dem eisenhaltigen Wasser wird u.a. Heilkraft bei Verwundung, steifen Gelenken, Geschwüren und Rheumatismus zugeschrieben.
Vorgeschichte und frühere Untersuchungen
Die Badequelle von Mehrn ist seit mehr als 100 Jahren bekannt. Sie ist im Tiroler Heilbäder- und Kurorteverzeichnis von 1900 und in den amtlichen Österr. Badebüchern von 1914 und 1928 enthalten. Aufgrund dieser langen Badetradition und der Untersuchungen der Heilquelle und Kureinrichtungen durch Univ.Prof.Dr. F. Scheminzky in den Jahren 1954, 1963 und 1966 wurde mit Bescheid der Tiroler Landesregierung vom 26.6.1966 die Quelle als kalte Calcium-Magnesium-Sulfat-Hydrogencarbonat-Mineralquelle, im Sinne des § 30 Abs.2 des derzeitigen Tiroler Heilquellen- und Kurortegesetzes weiterhin anerkannt. Als therapeutische Anwendungsformen wurden Bade- und Trinkkuren zugelassen.
Vergleich der seit 1869 bekannten Untersuchungsergebnisse
Im Gesamtmineralgehalt zeigt die Quelle bereits seit 1869 eine bemerkenswerte Übereinstimmung: Die Summen der gelösten festen Mineralstoffe weichen nur um einige % vom Mittelwert aller 7 Untersuchungen ab. Der geringste Gehalt mit 1177 mg/kg Wasser im Jahre 1869 liegt z.b. nur um 7 % unter dem Gesamtmittelwert aller Bestimmungen.
Auch die elektrolytische Leitfähigkeit, die einen gewissen Anhalt über die Konzentration der gelösten Stoffe gibt, stimmt im wesentlichen mit der Gesamtkonzentration überein.
Insgesamt beurteilt, hat die Heilquelle von Mehrn seit 1869 bis heute ihre physikalischen, radioaktiven und chemischen Eigenschaften als Calcium-Sulfat-Mineralquelle konstant beibehalten.